Pferdegesundheit

Es ist keine Kunst ein junges talentiertes Pferd zu reiten. Die Kunst besteht darin dieses Talent bis ins hohe Alter zu fördern.
Altmeister Gustav Lange


Seit Jahrtausenden schätzt der Mensch die Leistungsfähigkeit der Pferde. Der Weg vom Arbeitstier und Transportmittel hin zum Freizeitbegleiter und Sportkamerad vollzog sich in den letzten 60 Jahren rasant. Das Pferd musste sich körperlich und geistig dieser Entwicklung anpassen. Schon sehr früh werden Leistungen erwartet, die das Pferd nur unter Aufbietung aller Kräfte meistern kann. Als Wegbegleiter zählt es zu den Aufgaben der Physiotherapeuten dafür zu sorgen, dass unsere Pferde den gestellten Anforderungen bis ins Alter gerecht werden können ohne dabei selbst Schaden zu nehmen.


Es lassen sich folgende Einsatzgebiete der Physiotherapie beschreiben:

Prävention Vorbeugung der Entstehung von Erkrankungen oder deren Wiederkehr.
Kurativ Therapie Behandlung akuter und chronischer Erkrankungen.
Rehabilitation Maßnahmen zur Wiederherstellung von Fähigkeiten, die die Lebensteilnahme bzw. sportliche Karriere trotz körperlicher Beeinträchtigungen ermöglichen
Sportphysiotherapie Begleitung von Sportlern während des Trainings und bei Wettkämpfen.


Prävention

Als Prävention (vom lateinischen praevenire für „zuvorkommen, verhüten“) bezeichnet man vorbeugende Maßnahmen, um ein unerwünschtes Ereignis oder eine unerwünschte Entwicklung zu vermeiden. Ganz allgemein kann der Begriff mit „vorausschauender Problemvermeidung“ übersetzt werden. ( Wikipedia)

Vorausschauende Problemvermeidung.

Hierzu zählen wir alle Maßnahmen die ergriffen werden um während der Ausbildung eines jungen Pferdes möglichst wenige Komplikationen aufkommen zu lassen. Die Gedanken die man sich im Vorfeld macht können später viel Leid ersparen!


Exterieur:
Können Exterieurfehler eventuell mit geforderten Aufgabenstellungen kollidieren? Können die Hufe Schwierigkeiten machen. Usw.

Ausbildungsstand:
Ist das Pferd schon stabil genug um die geforderten Aufgaben zu erfüllen? Wurde es über seine Kräfte gearbeitet? Hatte es danach genügend Regenerationszeit? Wie ist seine Kondition? Usw.


Psyche:
Konnte es sich in Ruhe auf neue Verhältnisse einstellen? Kann das Pferd die geforderten Aufgaben ohne übermäßigen Stress ausführen. Steht sein Körper zu stark unter Spannung und kann es deswegen nicht mehr richtig Abschalten. Ist es leicht erregbar, übertrieben reizbar oder hypersensibel? Wurde es zu stark unter Druck gesetzt? Wie ist sein Sozialverhalten? Usw.


Reiten:
Bin ich reiterlich in der Lage das Pferd korrekt auszubilden – brauche ich Unterstützung? Habe ich meinem Pferd genügend Abwechslung in der Arbeit geboten oder wurde es zu einseitig Belastet? Habe ich das passende Sattelzeug? Wende ich Hilfszügel korrekt an?


Gesundheit:
Wie ist der allgemeine Gesundheitszustand – ist das Pferd belastbar? Sind Bewegungseinschränkungen erkennbar? Zeigt es Kompensationen früherer Fehlbelastungen? Hatte es Zeit beim Zahnen und wachsen etwas kürzer zu treten? Tut ihm etwas weh? Usw.


Kurativ Therapie

Der Begriff kurativ, ist von dem lateinischen Wort curare hergeleitet und bedeutet heilen, er bezeichnet therapeutische Maßnahmen die auf die Heilung einer Erkrankung ausgerichtet sind.

Nach dem zeitlichen Verlauf klassifiziert man Erkrankungen, wie folgt:

  • akut (von lateinisch acutus, „scharf, spitz“) kennzeichnet schnell zum Ausbruch kommende Erkrankungen.
  • chronisch (von griechisch χρόνος, chrónos, „die Zeit“) kennzeichnet sich langsam entwickelnde oder lang andauernde Erkrankungen. Eine Erkrankung kann chronisch sein und trotzdem eine akute Komponente haben.

Z.B. Bei einer Sehnenverletzung kann die Physiotherapie in allen Phasen der Heilung eingesetzt werden. Die dabei zum tragen kommenden Maßnahmen müssen mit dem behandelnden Tierarzt abgesprochen werden.

Sowohl im akuten wie auch chronischen Stadium kann z.B. die Thermo- und Hydrotherapie eingesetzt werden. Sie dienen der Entzündungshemmung und unterstützen den Ödemabbau. Lymphdrainage wirkt sich positiv auf den Heilungsverlauf aus und entlastet das Gewebe.
Sehnenwalkungen, Stosswelle oder Ultraschall sind angebracht um die Durchblutung zu fördern und helfen Verklebungen zu vermeiden. Weichteiltechniken dienen der Vermeidung von Überlastungen der Muskulatur und reduzieren Verspannungen.


Rehabilitation

Der Begriff Rehabilitation wird in unterschiedlichen Zusammenhängen verwendet:
Medizinisch bedeutet Rehabilitation oder Rehabilitierung (mittellat.: rehabilitatio, „Wiederherstellung“) die Bestrebung oder ihren Erfolg, Lebewesen wieder in ihren vormals existierenden körperlichen Zustand zu versetzen,

In der Medizin bezeichnet Rehabilitation den Einsatz und die Wirkung von Maßnahmen, die darauf zielen, die körperlichen, psychischen und sozialen Folgen einer Behinderung bzw. Aktivitätseinschränkung, sowie die Störung der Teilhabe am täglichen Leben, auf ein Minimum zu beschränken.

In der Pferdetherapie wird unter Rehabilitation oft nur der systematische Trainingsaufbau oder die Anwendung von therapeutischen Maschinen nach einer Erkrankung verstanden. Ein Großteil, der im Humanbereich eingesetzten, mit den Händen durchgeführten Therapiemaßnahmen, kommen im Tierbereich noch nicht zum Tragen, da ihre Wirkungsweise weitestgehend unbekannt ist.


Sportphysiotherapie

Im Humansport wird die Physiotherapie seit Jahrzehnten eingesetzt zur:

  • Feststellung der Eignung und Erhaltung der Gesundheit
  • Feststellung der allgemeinen Belastbarkeit
  • Erhaltung der Leistungsfähigkeit durch frühzeitiges Erkennen und Behandeln sowohl von Funktionsstörungen als auch akuter Sportverletzungen und beginnender Sportschäden
  • Abwendung bleibender Sportschäden

Allen Athleten ob Mensch oder Pferd sollten diese, die Gesundheit erhaltenden Forderungen, zu gute kommen.

Dabei hat die Behandlung und Betreuung aller Athleten (Mensch/Pferd) folgende Zielsetzung:

  • die Prävention sportartspezifischer Mikrotraumen und der daraus unter Umständen folgenden Sportschäden
  • die Erhaltung einer unbeeinträchtigten Belastbarkeit des Athleten unter Beibehaltung einer optimalen Trainingsintensität
  • die mögliche Eliminierung von organspezifisch bedingten vorgegebenen Schwach- und Gefahrenstellen des aktiven und passiven Stütz- und Bewegungsapparates
  • die Umsetzung neuer Forschungsergebnisse zum Nutzen von Prävention, Regeneration und Therapie im Hochleistungssport

(Auszug aus einer Veröffentlichung des Deutschen Olympischen Sportbundes. )

Diese vor über 40 Jahren gemachten Aussagen treffen unsere ganzheitliche Betrachtungsweise am besten. Daher vereint unser Team Kompetenz und Erfahrung aus dem Bereich der Human- und Pferdephysiotherapie aber auch der professionellen Reitausbildung.